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Ich stelle nachfolgend Überlegungen von meinem Freund Diethelm Raff ein. Er ist Gründer des schweizer Vereins "Direkte Demokratie" und ich habe ihn bereits 2003 in Grafenwöhr kennen gelernt, wohin er mehrmals aus der Schweiz zu unseren Demonstrationen ("Sag-Nein-Zum-Krieg") gegen den Irakkrieg angereist war.
Ich schreibe das als Vorspann, zeigt es doch, daß er sich nicht nur schriftlich mit Demokratie, Freiheit und Frieden auseinandersetzt und sich dazu auch seit Jahren in einem entsprechenden, von ihm gegründeten Verein engagiert, sondern daß er auch "vor Ort" und an wichtigen Brennpunkten, Menschen über alle nationalen Grenzen hinweg, unterstützt. Er lebt seine Überzeugungen!
Ausarbeitung zum 1. August, dem Tag der Direkten Demokratie in der Schweiz!
Kooperationfähigkeit der Bürger als Grundlage der Direkten Demokratie
Sehr geehrte Damen und Herren Gemeindepräsidenten, liebe Mitbürger
Zum sechsten Mal verschickt unser Verein zum 1. August an alle Gemeindepräsidentinnen, Gemeindepräsidenten und weiteren Mitbürgern, die sich für das allgemeine Wohl einsetzen, einige
Überlegungen zur Direkten Demokratie. Wir wollen damit die Grundlagen unserer Direkten Demokratie stärken. Dieses Jahr legen wir den Schwerpunkt auf die Kooperationsfähigkeit.
Kooperation der Bürger als Basis von Freiheit und Selbstbestimmung
Unsere genossenschaftlich begründete Direkte Demokratie - als Gegenpol zu einem hoheitlich hierarchisch strukturierten Staatswesen - baut auf der Kooperationsfähigkeit und Kooperationswilligkeit von uns Bürgern auf. Die Bundesgenossen schwörten 1291 einen Eid darauf, sich auch in verwickelten Situationen untereinander einigen zu wollen. Sie waren so selbstbewusst zu erklären, dass sie keine höheren menschlichen Instanzen oder staatsmächtigen Institutionen brauchten – nämlich die Fürsten und andere Organisationen – um in ihren Gemeinwesen ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten. Sie nahmen sich heraus, die üblichen Schwächegefühle von Untertanen aufzugeben.
Das war eine grosse geschichtliche Leistung. Untertanen protestieren zwar oft, meinen dann aber in entscheidenden Situationen doch, einen kompetenteren Schiedsrichter wegen normalen Auseinandersetzungen zu brauchen. Die Eidgenossen wollten nur Gott über sich dulden. Sie bauten stattdessen auf sich selbst, als freie und konfliktfähige Bürger, die vorrangig im Gespräch zusammen Lösungen finden. Sie nahmen sich heraus, für schwierige Fälle nur eigenes Recht anzuerkennen sowie ausgleichende und aufrechte Richter zu bestimmen, die ihnen als gerecht Handelnde bekannt waren und die sie auch wieder absetzen konnten. Sie verweigerten sich jahrhundertelang der verführerischen Kooperation mit mächtigen, reichen, auch redegewandten, erfahrenen und ressourcenstarken Konfliktmanagern in der Schweiz und in Europa. Diese setzten bekanntermassen ihr Recht und damit ihre Macht unter anderem mit deutlichen Bitten bis hin zu Drohungen von militärischen Operationen und wirtschaftlichen Sanktionen auch gegenüber „eigenständigen“ Vasallen durch. Die Eidgenossen wussten aus geschichtlicher Erfahrung, dass es sich bei der Übertragung von Souveränitätsrechten nicht um Kooperation handelt, sondern um freiwillige Unterordnung und Bevormundung.
Es war damals schon verführerisch zu denken, eine gute Elite mit genügend Machtkompetenzen könnte die grossen anstehenden Aufgaben für alle anderen reibungsloser und effizienter lösen. Die Eidgenossen wussten, dass ihr freies Gemeinwesen - mit selbstbestimmtem Recht durch alle Genossen - den üblichen Vorstellungen in Europa vom niedrigen, zu dirigierenden Volk entgegenstand. Sie hatten durch den Handelsverkehr genügend Verbindungen in Europa, zum Beispiel zu den italienischen freien Städten und kooperierten auch mit anderen Gemeinwesen genügend. Die Eidgenossen waren nie isoliert und eingeengt, sondern weltverbunden. Sie wussten aber auch, dass das Projekt Eid-Genossenschaft auf vollkommen anderen Pfeilern ruhte als die Staatswesen darum herum und dass das genossenschaftlich aufgebaute Gemeinwesen für alle Machthaber und Machtgierigen ein Dorn im Auge ist. Die Eidgenossen nahmen das in Kauf und pochten darauf, alle Angelegenheiten gemeinsam zu besprechen anstatt einer regierenden Elite die Macht zu übergeben. Ver sammlungen von allen sollten entscheiden und das Recht vom Volk beschlossen und gesprochen werden.
Direkte Demokratie fusst auf einer Kultur der Kooperation
Wir verstehen unter Direkter Demokratie alle überfamiliären organisierten Formen der Kooperation innerhalb einer spezifischen Kultur, die sich seit Jahrhunderten darauf verlegt hat, die hohe Kunst von freiheitlicher und kooperativer Selbstbestimmung zu entfalten, zu bewahren und zu verbessern. Die Staatskunst der freien Bürger zeigt sich sich nicht in grosser Machtentfaltung, sondern in der Fähigkeit, selbstverantwortlich, sach- und gemeinschaftsbezogen anstehende Aufgaben zu meistern. Die gleichwertige Kooperation der freier Bürger stellt das hauptsächliche Organisationsprinzip des Gemeinwesens dar, bei deren Ausfüllung die Bürger Zufriedenheit empfinden. In der schweizerischen Eidgenossenschaft konnte sich diese Kultur am weitesten und längsten verbreiten, obwohl sie sich ständig gegenüber autoritären Vorstellungen behaupten musste.
Direktdemokratische politische Rechte betrachten wir als einen Ausdruck der Kultur der unspektakulären alltäglichen Zusammenarbeit. Wenn Direkte Demokratie auf diese politischen Rechte innerhalb einer Institutionenlehre beschränkt wird, kann sie von antifreiheitlichen autoritär-hierarchischen Staatsvorstellungen wie in der EU vereinnahmt werden. Wir sehen darin eine Unterschätzung der tatsächlichen kulturellen Errungenschaften. Um die Bedeutung der Direkten Demokratie als praktizierte Form freier Zusammenschlüsse deutlich zu machen, verwenden wir den Namen als eigenen Begriff und schreiben ihn gross: Direkte Demokratie.
Freie Vereinigungen
Das Wesen und der Ursprung der Direkten Demokratie in der Schweiz besteht darin, dass sich freie und gleiche Bürger zusammenschliessen, um anstehende Aufgaben zum Nutzen aller in gemeinsamer Verantwortung zu regeln. Dazu dienten und dienen Kooperativen, Genossenschaften, Vereine, Aktiengesellschaften mit einer Aktie pro Person und sehr beschränktem Recht auf Verkauf sowie ähnliche Vereinigungen, durch die die bestmöglichen Massnahmen für das Wohl der Mitglieder gemeinsam getroffen werden und dabei dem Allgemeinwohl dienen. Diese Zusammenschlüsse zum besten Nutzen aller – meistens auf Gemeindeebene - können Einkaufs- und Absatzgenossenschaften für Bauern, Handwerker und Konsumenten sein, aber auch Banken,Versicherungen, Pensionskassen sowie Produzenten-Konsumenten-Vereinigungen. Genauso können die Bürger selbst ihre Versorgung mit Energie und Wasser in einer Vereinigung von Gleichen sicherstellen, aber auch Restaurants, Bauern- und Handwerksbetriebe, Schwimmbäder, Kinderspielplätze, Fähren, Skilifte, Strassen, Bewässerungen als Bürgerzusammenschluss bauen und betreiben, oder sogar eine Regionalwährung zur Stärkung der unabhängigen Wirtschaftstätigkeit einführen. Wohnbaugenossenschaften erstellen billigere Wohnungen. Freie und gleiche Bürger können aber auch ihre Schulen oder Kindergärten in Schulpflegen selbst verwalten. Genossenschaften können aber auch Horte, Altersheime oder Krankenhäuser führen. Zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit dienen Vereinigungen wie die Samariter, Feuerwehren, technische Hilfswerke, Rotes Kreuz, Blindenhundeausbildung, Pilzkontrollstellen usw. Andere Vereinigungen unterstützen Behinderte, Demente, Süchtigen, Alleinerziehende, Jugendlichen, Lehrlingen und andere. Zudem gehören alle Vereinigungen zu dieser selbstbestimmten Form, in denen Kooperationen in der Freizeit im Hinblick auf einen Beitrag zum allgemeinen Wohl geübt wird wie etwa Theatergruppen, Tanzgruppen, Gesangsvereine, Musikvereine usw., in deren Betätigung die eigene Freude gleichzeitig dazu da ist, anderen eine Freude zu bereiten.
Wirkung des freien Zusammenschlusses
In allen diesen freien Vereinigungen stellen sich Bürger freiwillig zur Verfügung, um sich zugunsten des Allgemeinwohls mit anderen zu koordinieren. Sie nehmen viel Zeit und Kraft auf sich, um sich abzusprechen, sich zu einigen, Konflikte friedlich auszutragen, mit dem Ziel, das Zusammenleben gut zu organisieren. Diese Vereinigungen bilden und festigen die Fähigkeit zu Selbstorganisation und verantwortlichem Handeln zugunsten der Allgemeinheit. Sie bilden ein ständiges soziales Lernfeld. Je weiter solche freien Vereinigungen in einem Gemeinwesen verbreitet sind und je besser sie ihre Aufgaben erfüllen, umso mehr Bürger erleben Freude und Genugtuung beim Engagement für das Ganze. Damit wird das Vertrauen geschaffen und gestärkt, gemeinsam über sich selbst bestimmen zu können und das Leben nicht von anderen bestimmen lassen zu müssen.
Verbundenheit mit anderen ermöglicht Kooperation - Korrektiv des Machthungers
Direkte Demokratie ist nur möglich, wenn die Bürger in ihrer Mehrheit so weit aufeinander bezogen sind, dass sie sich auch in schwierigen Situationen und trotz Aufregung am Schluss einigen können. Das heisst, dass ein selbstverständliches und befriedigendes Ziel in den persönlichen Lebensvorstellungen vorhanden ist, sich für das Allgemeine gerne zu engagieren. Verbundenheit mit anderen ergibt sich, wenn man sich einigermassen sicher ist, dass man Probleme mit anderen lösen kann. Es braucht dazu ein erhöhtes Einfühlungsvermögen, das Gefühl, etwas bewirken zu können, die Entschlussfreude, selbst etwas unternehmen zu wollen, die Fähigkeit, sich mit anderen abzustimmen, die Fähigkeit, in Ruhe zuzuhören, seine eigenen Gedanken einzubringen und zugunsten der besten Lösung abzuwägen. Die Schwäche- und Ohnmachtsgefühle der Untertanen wie Angst vor Fehlern und davor, dumm dazustehen, sich inkompetent zu fühlen und der Wunsch, die Verantwortung abgeben zu können, verhindern die Erfahrung, gemeinsam das Leben zu gestalten. Die angeborene Vernunft des Menschen vertieft sich, wenn man Problemlagen aller Art zusammen mit anderen verstehen lernt und seine Fragen so lange stellt, bis sie beantwortet sind. So wird der Einzelne in allen Bereichen zum Experten, in die er sich vertiefen will. Man muss nicht mehr darauf warten, dass sogenannt Professionelle ihre Vorstellungen durchsetzen, sondern nutzt das Wissen der Professionellen, um mit Hilfe der Vernunft aller die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Wenn nun die Bürger sich herausnehmen, miteinander ihr Leben zu bestimmen, dann verhelfen sie Menschen mit besonderem Geltungsdrang dazu, sich zu mässigen, denn sie stossen auf zu wenig hierarchisches, bewunderndes Empfinden bei autoritärem Auftreten. Verbundenheit mit andern führt auch dazu, dass die Bürger sich selbst dazu bringen können, gemeinsam ihre Lage zu ändern anstatt ständig an die scheinbar Oberen ohnmächtig Forderungen zu stellen.
Wesen Mensch
Wir gehen davon aus, dass die Direkte Demokratie dem Wesen des Menschen am meisten entspricht, denn – wie neuere Forschungen gezeigt haben - ist der Mensch von Geburt an auf Zusammenarbeit angelegt. Untersuchungen am Gehirn bestätigten die kooperative Natur des Menschen, wie Professor Wolfgang Bauer in seinem Buch „Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren“ darlegt. Diese soziale Natur muss bei jeder neuen Herausforderung im Leben entwi ckelt, gepflegt und im Gefühl verankert werden, so dass alle Voraussetzungen für kooperatives Verhalten gebildet und gestärkt werden können. Ist ein Gemeinwesen so organisiert, dass die Aufgaben im Leben des einzelnen lösbar scheinen und kann man sich dabei normalerweise auf andere verlassen, dann steigt die Verbundenheit mit anderen und die Zuversicht, das Leben zu bewältigen. Damit solche Fähigkeiten gefördert werden, müssen unsere Gemeinwesen solche Mitbürger zur Geltung kommen lassen, die sich für das Allgemeinwohl einsetzen.
Bessere Lösungen
Wenn sich viele Bürger mit anderen verbunden fühlen und sich nicht nur um ihr eigenes Wohl kümmern, kann die Verantwortung für die vielen Aufgaben im Zusammenleben auf vielen Schultern verteilt werden. Wenn mehr Bürger tätig und konstruktiv mitgestalten, kommen bessere Lösungen zustande. Diese ehrenamtliche Aktivitäten geben den Bürgern mehr Selbstvertrauen, sich an schwierigere Aufgaben zu wagen. Sind die politischen Gemeinden klein und überblickbar, dann stellen sie für die gewählten Behördenmitglieder und die Bürger eine Schule der Direkten Demokratie dar. Aber nur, falls die anstehenden Aufgaben der Selbstorganisation dienen und nicht der Erfüllung von Verwaltungsvorschriften höherer Instanzen. Deshalb müssen die Gemeinden möglichst klein, autonom und mit vielen Entscheidungskompetenzen ausgestattet sein. Wenn behauptet wird, die Verlagerung von Kompetenzen auf höhere Instanzen und die Zusammenlegung von Gemeinden sei wegen professionellerer Kräfte ein Effizienzgewinn, wird dabei unterschätzt, welche grundlegenden Erfahrungen der Selbstorganisation gerade in diesem Bereich gemacht werden müssen, damit die Kultur der Kooperation und die Direkte Demokratie gepflegt werden können.
Erziehung als Ausgangspunkt für die Kooperationsfähigkeit
Die Erziehung der Kinder legt den Grundstein dafür, wie man sich und die ganze Welt erlebt, was man vom Mitmenschen erwarten darf und inwieweit man sich selbst als aktiver Mitspieler einordnet. In der kleinen Kooperative Familie entscheidet sich, ob sich die soziale Natur des Menschen entfalten kann und die Kinder sich mit anderen Menschen leicht verbinden. Kooperationsfähigkeit entsteht in sicheren Beziehungen zu Eltern, die optimistisch im Leben stehen. Diese müssen sich frei organisieren. So können sie den Kindern vorleben, dass man das Leben aus freien Stücken und in eigener Verantwortung gemeinsam gestalten kann. Die Familie und das selbstbestimmte Recht auf die Erziehung der eigenen Kinder muss deshalb vor Ansprüchen selbsternannter Autoritäten an Staatsstellen geschützt sein - genauso wie die freien Vereinigungen von Bürgern.
Anspruchsvolle Aufgabe
Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe der Eltern, wohlwollend, fürsorglich und sicher den Verirrungen der Kinder zu begegnen und sie auf eine freundschaftliche Verbundenheit mit den Artgenossen hinzuführen. Diese wichtige Aufgabe für unser Zusammenleben muss in unserem Gemeinwesen mehr Beachtung finden. Die Anlage zum Mitgefühl muss ausgebildet und eingefordert werden, so dass die Kinder das Leben als Geben und Nehmen erfassen. Autoritärer Umgang führt die Kinder zur Feindseligkeit gegenüber anderen. Kinder müssen aber auch erfahren, dass ihre Aktivität nur dann zu Freude, Freundschaften und Befriedigung führt, wenn sie die Wünsche anderer einbeziehen. Wenn man die Kooperationsbereitschaft verkümmern lässt und das Kind darauf ausrichtet, seine Eltern mit zufällig aufsteigenden Bedürfnissen zu beschäftigen, werden Kinder egozentrisch, fühlen sich schnell abgelehnt, fühlen sich überfordert und stellen sich mit Ärger, Ängsten und sogar Gewalt gegen ihre Umwelt. Mitgefühl und Verantwortungsgefühl für das allgemeine Zusammenleben lässt sich später im Leben nur viel schwerer aufbauen.
Zielsetzung der Erziehung
Dabei ist es für die Kinder wichtig zu erfahren, dass das das gemeinsame, auch oft anstrengende Zusammenarbeiten, Genugtuung hervorruft, denn es erfährt dabei echte Bedeutung. Kinder sollen merken, dass das Leben nicht nur aus Spiel besteht und dass Engagement für eine Sache bedeutungsvoller sein kann als einen Wunsch zu erfüllen. Die Eltern sollten immer daran denken, dass sie ihren Kindern bis spätestens 18 Jahren alle Fähigkeiten mitgeben müssen, die in einer kooperativen Kultur notwendig sind: Vernunft, gleichwertiger und respektvoller Umgang in der eigenen Familie und ausserhalb, Wissen und Kenntnisse über die Lebensbewältigung und verschiedene Lebensweisen, Eigeninitiative und Verantwortungsgefühl für das eigene Leben und das Allgemeine. Die Eltern müssen sich davor bewahren, den natürlichen Hang ihrer Kinder zum Mitmenschen vor allem auf sich selbst und vielleicht noch befreundete Familien einzuengen. Die Kinder sollen erleben, dass sich die Familie an grösseren Kooperationen zum Nutzen aller beteiligt. So bilden wir Bürger heran, die wissen, dass das gemeinsame Leben alle mitgestalten.
Um unsere Kultur der Verbundenheit zu pflegen müssen wir viel mehr Wert darauf legen, Kinder und Jugendlichen echte Aufgaben zu übertragen, die für das allgemeine Wohl von Bedeutung sind, insbesondere in den beschriebenen Kooperativen. Jugendliche müssen viel mehr erleben, dass die schönen Seiten des Lebens mit einem Engagement für das Gemeinwesen verbunden sind. Wir verführen unsere Jugendlichen dazu, ihre Liebeserlebnisse, Freundschaften und Erfolgserlebnisse im Rahmen von Freizeitvergnügen zu erleben, bei denen sie ihre Selbstbezogenheit üben müssen. Statt echte Bedeutung unter den Menschen zu erhalten, bieten wir Alkohol und Drogen an. Auf der Suche nach persönlichen Erfolgen und erotischen Erlebnissen bieten wir Training in Körperverliebtheit und Gewalttrainings an Computern an. Die Ausrichtung darauf, mit Gewalt erfolgreich sein zu können, können wir nicht hinnehmen. Positives Engagement von Jugendlichen für das Zusammenleben müssen wir beachten und solche Jugendliche zu Vorbildern erklären. Wir richten unser Gemeinwesen auf schwache Persönlichkeiten aus, die ihre mangelnde Kooperationsfähigkeit als peinliche exzentrische Selbstbespiegelung zur Nachahmung vorführen dürfen.
Die Schule als Teil der kooperativen Kultur
In der Direkten Demokratie ist die Schule eine Kooperative der Bürger, in der die Kinder sich in der kooperativen Kultur üben. Die Schule wird deshalb von den Bürgern selbst geführt, also von einer speziellen Versammlung aller Bürger. Sie wählen die Lehrer ihrer Kinder selbst oder lassen sie von den gewählten Vertretern, der Schulpflege, wählen. Die Schulpflege überprüft die Lehrer für die Bürger. Es ist nicht richtig, wenn Bildungsdirektionen sogenannte professionelle Schulbeurteiler einsetzen, denen als externe Berater mehr Kompetenzen zugeteilt werden. Wie in einer Genossenschaft gab es in der Schule richtigerweise bis vor kurzem keinen Rektor mit Weisungsbefugnissen. Die Lehrer sollen sich für ihren Unterricht vor den Bürgern verantworten und nicht vor einem Chef. Die Lehrer sollen den Schülern ebenfalls vorführen, dass sie sich selbst verwalten können, denn das stärkt die Direkte Demokratie.
Zielsetzung der Schule
Die Schüler sollen in der Schule Fähigkeiten erwerben, damit sie sich mit anderen zusammen das eigene Leben gestalten können. Zuerst einmal ist die Schule deshalb der Ort, an dem die Kinder genug Können und Wissen erwerben, um in einem Beruf einen Beitrag zum allgemeinen Wohl zu leisten. Darüberhinaus bringt die Volksschule Kinder verschiedener Herkunft zusammen. Die Kinder sollen erleben, dass man sich mit verschiedensten Kollegen zusammen ein Thema erarbeiten kann. Dafür brauchen sie viele Jahre lang Anleitung der Lehrer, denn Kooperation muss gelernt werden. Wird der Lehrer als Lernbegleiter abgeschafft, breiten sich dominante und gewalttätige Charakterhaltungen aus. Die kleine Kooperative einer Klasse ermöglicht es hingegen, aufeinander einzugehen, sich gegenseitig zu helfen, sich zu respektieren und sogar Freundschaften zu bilden. Die Aufgabe des Lehrers besteht darin, den Kindern aufzuzeigen, wie ein gemeinsames Erarbeiten auch mit verschiedenen Hintergründen möglich ist. Dabei können die Schnelleren erleben, dass ihr Wissen vor allem dann befriedigend ist, wenn es für einen guten Zweck eingesetzt wird, zum Beispiel um es einem anderen weiterzugeben. In einer Klassengemeinschaft können in besonderer Weise alle Vorteile der Kooperation erlebt werden. Ziel ist es, dass der einzelne lernt, sich auf andere zu beziehen und sich mit ihnen zu verbinden.
Besonderer Wert soll die Schule darauf legen, Überheblichkeiten bis zu Dominanz und Gewalt oder Schwächegefühle zu überwinden, denn sie stören eine gleichwertige Zusammenarbeit. Eine Kultur der Kooperation hat den Vorteil, dass sie sich kleinräumig organisiert und deshalb weniger Positionen anbietet, an die sich geltungssüchtige Menschen zu Lasten der Allgemeinheit einnisten können. Die Schule sollte sich die Aufgabe stellen, Kindern ein gleichwertigeres Leben schmackhaft zu machen. Zum Beispiel solchen, die sich immer in den Vordergrund stellen, das grosse Wort führen, immer an der Spitze stehen und leistungsunfähig werden oder sich verweigern, sobald sie nicht selbst diktieren können. Zum Beispiel auch solche, die den anderen gegenüber oft abwehrend oder feindlich gestimmt sind oder von ihrem Ehrgeiz so stark gepackt werden, dass sie andere vergessen oder sich von vornherein als etwas Besseres fühlen. Zumindest sollte die Schule solche Kinder daran hindern, ihre fehlerhaften Charakterhaltungen auszubauen. Um solche Ziele zu erreichen, braucht es die ganze Kraft des Pädagogen. Der heutige individualisierte Unterricht kann in weiten Bereichen diese Ziele nicht erreichen. Die „Teambildung“ unter den Lehrern und die ständige Beschäftigung mit der aufgezwungenen Schulentwicklung der Bildungsbehörden erschwert auch den sehr engagierten Lehrern die Hinführung der Schüler zu unserer kooperativen Kultur. Die Gemeinschaftsbildung als Grundlage unserer Direkten Demokratie wird für eine ganze Generation geschwächt. Die Auflösung der Klassen und die ständige Beschäftigung mit der Hochbegabtenfrage, unterstützt die erwähnten Charakterhaltungen. Der geschwächte unverbundene individualisierte Schüler wird in seiner falschen Haltung zu den Mitmenschen bestärkt und für Befehlspositionen vorbereitet, die wir für unsere Direkte Demokratie weder wollen noch gebrauchen können.
In einer Kultur der Kooperation muss der Schwerpunkt aller Massnahmen in der Schule darauf liegen, die Verantwortung der Kinder für eine freies Zusammenleben unter Gleichen zu fördern.
Ausblick auf die Stärkung unserer kooperativen Kultur
Unsere Selbstorganisation kann nur bestehen bleiben, wenn wir Bürger so viele Fähigkeiten mitbringen, dass wir im Grossen und Ganzen aus eigenen Entschluss zusammenarbeiten können und Lösungen für anstehende Fragen finden. Unsere Aufgabe ist es, diese Fähigkeiten in jeder Generation zu stärken, so dass sich Menschen finden, die keine Machtpositionen anstreben und in der Macht sich sonnen wollen. In einer kooperativen Kultur müssen genug Menschen heranreifen, die für die verantwortlichen Aufgaben ihre Partikularinteressen ganz oder weitgehend zurückstellen können und um der anderen Willen fühlen, wirken und entscheiden. Unsere Anstrengungen müssen darauf hingehen, dass wir unsere Lebenswelten so einrichten, dass die Bürger auf der Suche nach Bedeutung Möglichkeiten finden, die dem Allgemeinwohl dienlich sind.
Zuerst müssen wir das generelle Vertrauen in die gute Absicht der Mitmenschen pflegen, denn Vertrauen ist die Grundlage eines freien und friedlichen Gemeinwesens. Vermehrte Anzeichen mangelnder Rücksichtnahme im Alltag beunruhigt viele, denn sie erkennen daran berechtigterweise eine schwächere Ausrichtung auf den anderen. Brutale scheinbar unmotivierte Gewalttaten verunsichert noch mehr im alltäglichen Leben und beeinträchtigen den freien Austausch von Bürgern, die zu bestimmten Tageszeiten verschiedene Orte meiden.
Der offensichtliche Mangel an Mitgefühl, die kleinen und grossen Drohungen, Beschimpfungen und Angriffe auf andere im öffentlichen Raum und die starke Ausrichtung auf Selbstbespiegelung weisen uns darauf hin, dass unsere kooperative Kultur von allen Bürgen gestärkt werden muss, die sich dem freien und friedlichen Gemeinwesen verschrieben haben.
1)Wir brauchen Bürger und Selbstorganisationen als Vorbilder in unserem Gemeinwesen, die sich bescheiden, ehrenamtlich und unspektakulär für das Allgemeinwohl tätig sind.
2)Es gibt keinen Grund, die systematische Hinführung zur Gewalt als Umgangsform unter Menschen an Tötungssimulatoren in Computern und durch brutale Filme zu erlauben. Wir dürfen uns mit den Folgen in unserem Zusammenleben nicht abfinden.
3)In der Erziehung müssen wir besonderen Wert darauf legen, die innere Verbundenheit mit anderen zu fördern.
4)In der Schule muss besonderer Wert darauf gelegt werden, die Jugend in die Kultur der Kooperation einzuführen, sie mit allen Formen der aktiven Beteiligung am Gemeinwesen zu befreunden und ihnen die bestehenden Organisationen vorzustellen.
5)Die Aufgaben im Zusammenleben müssen dezentralisiert werden statt zentralisiert, so dass der Bürger wieder direkter gefragt wird. Die sogenannte Professionalisierung steht unserer Selbstverwaltung meist entgegen.
6)In der Wirtschaft und in den Selbstverwaltungsorganen sollten die Verantwortlichen daran gemessen werden, ob sie das Allgemeinwohl verfolgen.
Wir freuen uns, wenn Sie uns Echo zu unseren Gedanken geben oder sogar Mitglied in unserem Verein werden . Falls Sie regelmässig über unsere Aussendungen unterrichtet werden wollen, schicken Sie uns bitte ihre e-mail-Adresse.
Mit freundlichen Grüssen
Diethelm Raff Lilly Merz Raff
Präsident Vizepräsidentin
DER WAHRE CHARAKTER EINES MENSCHEN ZEIGT SICH NICHT BEI DER ERSTEN BEGEGNUNG, SONDERN BEI DER LETZTEN
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